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Netz der leichten Fernschnellzüge (F-Züge); Teil 1 

 

Exkurs: Fernschnellzüge des internationalen Verkehr

 

 

Beim studieren der Literatur bzw. einiger Kursbücher und Faltblätter "Ihr Zug-Begleiter" (IZB) ist mir aufgefallen, dass man den Fernschnellzugverkehr, der nach dem Krieg wieder einsetzte in zwei Gruppen unterteilen sollte.

 

Da gab es zum einen die Fernschnellzüge des internationalen Verkehr, die bereits ab dem Frühjahr 1946 wieder verkehrten. Diese Züge wurden als FD-Züge (Fernschnellzüge) bzw. als L-Züge (Luxuszüge bezeichnet).

 

Spätestens ab März 1946 waren dies die folgenden L-Züge:
L 5 "Orient-Express" Paris - Linz
(mit dem Flügelzug L 105 Stuttgart Untertürkheim Gbf - Prag)

L 6 "Orient-Express" Linz - Paris (mit dem Flügelzug L 106  Prag - Stuttgart Untertürkeim Gbf)

Ab Mai 1946 kamen noch hinzu:
L 11 "Nord-Express" Paris - Berlin
(mit dem Flügelzug L 191 Hannover - Kopenhagen)

L 12 "Nord-Express" Berlin - Paris (mit dem Flügelzug L 192 Kopenhagen - Hannover)

Ab dem 7. Oktober 1946 erhielt der L 11 / L 12 den neuen Laufweg Paris - Stockholm / Stockholm - Paris.
Berlin wurde nun über die neu eingerichteten FD 111 / FD 112 Amsterdam - Berlin / Berlin - Amsterdam angebunden und bekam eine Kurswagengruppe Paris - Berlin / Berlin - Paris (aus L 11 / L 12) bzw. Amsterdam - Stockholm / Stockholm - Amsterdam (zu L 11 / L 12).
Die L 191 / L 192 konnten darauf hin wieder entfallen.

Neben diesen Verbindungen lebten weitere internationale Fernschnellzüge in den folgenden Jahren wieder auf, die im Bezug auf ihre Laufwege nicht selten Verbindungen aus der Vorkriegszeit entsprachen.

Nur am Rande der Hinweis, dass die Zuggattung "FD" damit ein weiteres Mal (nach der Einführung des FD-Netzes der DRG Ende der 1920er Jahre) Verwendung fand. Dabei sollte es übrigens nicht bleiben. Im Jahr 1983 lebte der "FD" nochmals auf, aber in einem anderen Zusammenhang und in gänzlich anderer Form, als ein Zugsystem, dass vor allem die Ballungszentren der Bundesrepublik mit den Ferienregionen im deutschen und österreichischen Alpenraum verbinden sollte.

Neben den Fernschnellzügen des internationalen Verkehr machte sich die neu gegründete Deutsche Bundesbahn daran ein eigenes nationales Fernschnellzugnetz aufzubauen.

Unter der offiziellen Bezeichnung Netz der leichten Fernschnellzüge, später auch "blaues F-Zug-Netz" genannt, startete die Deutsche Bundesbahn mit Beginn des Sommerfahrplans zum 20. Mai 1951 ihr neues Zugsystem.

Die gewählten Gattungsbezeichnungen sahen dabei wie folgt aus:
F-Züge (lokbespannte Fernschnellzüge)
FT-Züge (mit Triebwagen gefahrene Fernschnellzüge)

 

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Zum 20. Mai 1951 gingen folgende Verbindungen an den Start (hier alle als F-Züge bezeichnet, da mir keine Informationen darüber vorliegen, ab wann welche Verbindungen tatsächlich mit Triebwagen gefahren wurden):

 
F 1 Köln - Kiel
F 2 Kiel - Köln
F 3 Frankfurt/M - Hamburg
F 4 Hamburg - Frankfurt
F 7 Basel - Dortmund
F 8 Köln - Basel
F 13 Bonn - Hannover
F 14 Braunschweig - Köln
F 17 Köln - Braunschweig
F 18 Hannover - Bonn
F 19 Frankfurt/M - Köln
F 23 München - Mainz
F 24 Dortmund - Frankfurt/M
F 27 München - Dortmund
F 28 Dortmund - München
F 29 München - Frankfurt/M
F 30 Frankfurt/M - München
F 31 Frankfurt/M - Dortmund
F 32 Dortmund - Frankfurt/M
F 33 Frankfurt/M - Dortmund
F 34 Mainz - München
F 37 Regensburg - Köln
F 38 Dortmund - Regensburg
F 41 Frankfurt/M - Hamburg (via Bebra)
F 42 Hamburg - Frankfurt/M (via Bebra)
F 43 Frankfurt/M - Bremen (via Kassel)
F 44 Bremen - Frankfurt/M (via Kassel)
F 55 München - Hamburg
F 56 Hamburg - München


Ab dem Winterfahrplan 1951/52 erhielten einige F-Züge einen Zugnamen:

 
F 13 / F 18 "Sachsenroß"
F 31 / F 32 "Rhein-Main"

 

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Ab dem Sommerfahrplan 1952 erhielten alle F-Züge einen Namen. Außerdem war es möglich zunehmend Fernschnellzüge mit Triebwagen zu fahren, da nun immer mehr Fahrzeuge zur Verfügung standen. Zunächst vor allem Tw der Baureihen VT 04 und VT 06, später auch die Neubautriebwagen der Baureihe VT 08.5.

Das Angebot sah nun wie folgt aus:

 
F 1 "Hanseat" Köln - Hamburg

F 2 "Hanseat" Hamburg - Köln
F 3 "Merkur" Frankfurt/M - Hamburg

F 4 "Merkur" Hamburg - Frankfurt/M
FT 7 "Rhein-Blitz" Basel - Hagen

FT 8 "Rhein-Blitz" Hagen - Basel
F 9 "Rhein-Pfeil" Basel - Hoek van Holland *

F 10 "Rhein-Pfeil" Hoek van Holland - Basel *
F 13 "Sachsenroß" Bonn - Hannover
F 14 "Dompfeil" Hannover - Köln

F 17 "Dompfeil" Köln - Hannover

F18 "Sachsenroß" Hannover - Bonn
F 19 entfiel
F 21 "Rhein-Pfeil" Innsbruck - Dortmund *

F 22 "Rhein-Pfeil" Dortmund - Innsbruck *
F 23 "Schwabenpfeil" Stuttgart - Dortmund

F 24 "Schwabenpfeil" Dortmund - Stuttgart
FT 27 "Rhein-Isar-Blitz" München - Dortmund

FT 28 "Rhein-Isar-Blitz" Dortmund - München
FT 29 "Münchner Kindl" München - Frankfurt/M

FT 30 "Münchner Kindl" Frankfurt/M - München
F 31 "Rhein-Main-Express" Frankfurt/M - Rotterdam

F 32 "Rhein-Main-Express" Rotterdam - Frankfurt/M
F 33 "Gambrinus" München - Dortmund

F 34 "Gambrinus" Dortmund - München
FT 37 "Rhein-Donau-Blitz" Regensburg - Dortmund

FT 38 "Rhein-Donau-Blitz" Dortmund - Regensburg
F 41 "Senator" Frankfurt/M - Hamburg

F 42 "Senator" Hamburg - Frankfurt/M
F 43 "Roland" Frankfurt/M - Bremen

F 44 "Roland" Bremen - Frankfurt/M
F 53 "Domspatz" Passau - Hamburg

F 54 "Domspatz" Hamburg - Passau
F 55 "Blauer Enzian" München - Hamburg

F 56 "Blauer Enzian" Hamburg - München
FT 77 "Helvetia-Express" Basel - Frankfurt/M

FT 78 "Helvetia-Express" Frankfurt/M - Basel

* F 21/22 mit F 9/10 vereinigt zwischen Mainz und Köln

Die Übersicht zeigt, dass es neben der Erweiterung um neue Verbindungen im Sommer 1952, auch einige Anpassungen in den Laufwegen gab.

Zum Winterfahrplan (ab 5. Oktober 1952) gab es nochmals einige Anpassungen im Netz der leichten Fernschnellzüge.

Der F 43/44 wurde auf eine Triebwagenverbindung umgestellt und verkehrte nun als FT "Roland" mit neuem Laufweg Bremen - Basel - Bremen.

Neu hinzu kam zeitgleich der FT 45 / FT 46 "Schauinsland" Basel - Frankfurt/M - Basel.

Die Namen der Züge werden vielen bekannt vorkommen, fanden sie sich auch im späteren System "IC '71" bzw. "IC '79" wieder und überdauerten die Jahrzehnte bis weit in die 90er Jahre hinein und ggf. noch darüber hinaus im IC- wie auch ICE-Verkehr.

 

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Zum Sommerfahrplan 1953 ergaben sich erneut Anpassungen unter den Fernschnellzug-Verbindungen des "blauen Netzes" (sofern nicht anders vemerkt blieben die Namen analog dem Fahrplan 1952/53 erhalten):

 
FT 1 Köln - Hamburg
FT 2 Kiel - Köln
F 3 Frankfurt/M - Hamburg
F 4 Hamburg - Frankfurt/M
FT 7 Basel - Dortmund
FT 8 Dortmund - Basel
F 9 "Rheingold-Express" Basel - Hoek van Holland (vormals "Rhein-Pfeil")
F 10 "Rheingold-Express" Hoek van Holland - Basel (vormals "Rhein-Pfeil")
F 13 Bonn - Hannover
F 14 Hannover - Köln
F 17 Köln - Hannover
F 18 Hannover - Bonn
F 19 "Glückauf" Frankfurt/M - Essen (neue Verbindung)
F 20 "Glückauf" Essen - Frankfurt/M (neue Verbindung)
F 21 Innsbruck - Dortmund
F 22 Dortmund - Innsbruck
F 23 Stuttgart - Dortmund
F 24 Dortmund - Stuttgart
FT 27 München - Dortmund
FT 28 Dortmund - München
FT 29 München - Frankfurt/M
FT 30 Frankfurt/M - München
FT 31 Frankfurt/M - Dortmund (anstatt nach Rotterdam)
FT 32 Dortmund - Frankfurt/M (anstatt von Rotterdam)
F 33 München - Kiel
F 34 Kiel - München
FT 37 Regensburg - Dortmund
FT 38 Dortmund - Regensburg
FT 41 Frankfurt/M - Kiel
FT 42 Hamburg - Frankfurt/M
FT 43 Basel - Bremen
FT 44 Bremen - Basel
FT 45 Basel - Frankfurt/M
FT 46 Frankfurt/M - Basel
FT 49 Basel - Hamburg (neue Nachtzug-Verbindung im Winterabschnitt, ohne Namen)
FT 50 Hamburg - Basel (neue Nachtzug-Verbindung im Winterabschnitt, ohne Namen)
F 53 Passau - Hamburg
F 54 Hamburg - Passau
F 55 München - Hamburg
F 56 Hamburg - München
FT 77 Zürich - Hamburg
FT 78 Hamburg - Zürich
FT 231 "Montan-Express" Frankfurt/M - Luxembourg (neue Verbindung)
FT 232 "Montan-Express" Luxembourg - Frankfurt/M (neue Verbindung)
FT 1101 Bar-le-Duc - Frankfurt/M (neue Verbindung, werktags, ohne Namen)
FT 1124 Frankfurt/M - Metz (neue Verbindung, ohne Namen)
FT 1133 Metz - Frankfurt/M (neue Verbindung, sonntags, ohne Namen)

Die Züge 1101, 1124 und 1133 wurden übrigens schon im Fahrplan 1952/53 eingerichtet, verkehrten aber zunächst nicht als F-Züge.

Die Entwicklung zum Sommer 1953 zeigt sehr schön, dass sich das Netz der leichten Fernschnellzüge, zunehmend auch über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus ausdehnte.


Dennoch lassen sich diese Verbindungen nicht mit denen der Fernschnellzüge des internationalen Verkehr vergleichen. Waren diese doch von der Zuglänge wesentlich schwerer konzipiert, bestanden zum Teil aus mehreren Kurswagengruppen und erreichten meist eine weit geringere Reisegeschwindigkeit, als die Züge des "blauen F-Zug-Netzes".

Da der Name des "Rheingold-Express" auf die Züge F 9 / F 10 wechselte hier noch der Hinweis, dass die Züge F 163 und F 164, die diesen Namen bis dato trugen, ab dem Sommer 1953 als "Loreley-Express" in den Kursbüchern erschienen.

Eine weiteres Zugpaar wurde zum Beginn des Winterfahrplan (ab 4. Oktober 1953) eingelegt, der namenlose FT 127 / 128 München - Frankfurt/M - München.

 

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Mit dem Beginn des Sommerfahrplans 1954 gab es erneut erhebliche Anpassungen im "blauen F-Zug-Netz":

 
FT 1 Köln - Hamburg
FT 2 Hamburg - Köln
F 3 Stuttgart - Hamburg
F 4 Hamburg - Stuttgart
FT 7 Basel - Dortmund
FT 8 Dortmund - Basel
F 9 Basel - Hoek van Holland
F 10 Hoek van Holland - Basel
F 13 "Dompfeil" Köln - Hannover (vormals "Sachsenroß")
F 14 Hannover - Köln
F 15 "Sachsenroß" Köln - Hannover (neue Verbindung)
F 16 "Sachsenroß" Hannover - Köln (neue Verbindung)
F 17 "Germania" Bonn - Hannover (vormals "Dompfeil")
F 18 "Germania" Hannover - Bonn (vormals "Sachsenroß")
F 19 Linz - Essen (mit Kurswagen Wien - Essen)
F 20 Essen - Linz (mit Kurswagen Essen - Wien)
F 21 Innsbruck - Dortmund
F 22 Dortmund - Innsbruck
F 23 Stuttgart - Dortmund
F 24 Dortmund - Stuttgart
FT 27 "Rhein-Blitz" München - Dortmund (vormals "Rhein-Isar-Blitz")
FT 28 "Rhein-Blitz" Dortmund - München (vormals "Rhein-Isar-Blitz")
F 29 München - Frankfurt/M
F 30 Frankfurt/M - München
FT 31 Frankfurt/M - Dortmund
FT 32 Dortmund - Frankfurt/M
F 33 München - Kiel
F 34 Kiel - München
FT 37 "Rhein-Blitz" Nürnberg - Dortmund (vormals "Rhein-Donau-Blitz")
FT 38 "Rhein-Blitz" Dortmund - Nürnberg (vormals "Rhein-Donau-Blitz")
F 39 "Mozart" Strasbourg - Salzburg (neue Verbindung)
F 40 "Mozart" Salzburg - Strasbourg (neue Verbindung)
FT 41 Frankfurt/M - Hamburg
FT 42 Hamburg - Frankfurt/M
FT 43 Basel - Bremen
FT 44 Bremen - Basel
FT 45 Basel - Frankfurt/M
FT 46 Frankfurt/M - Basel
FT 49 "Komet" Basel - Hamburg
(bisher ohne Zugnamen)

FT 50 "Komet" Hamburg - Basel (bisher ohne Zugnamen)
F 53 Regensburg - Hamburg
F 54 Hamburg - Regensburg
F 55 München - Hamburg
F 56 Hamburg - München
FT 74 "Saphir" Oostende - Dortmund (neue Verbindung)
FT 75 "Saphir" Dortmund - Oostende (neue Verbindung)
FT 77 Zürich - Hamburg
FT 78 Hamburg - Zürich
FT 127 / FT 128 entfielen
FT 137 "Rhein-Blitz" München - Dortmund (neue Verbindung)
FT 138 "Rhein-Blitz" Dortmund - München (neue Verbindung)
FT 168 "Ruhr-Paris" Dortmund - Paris (neue Verbindung)
FT 185 "Paris-Ruhr" Paris - Dortmund (neue Verbindung)
FT 231 Frankfurt/M - Luxembourg
FT 232 Luxembourg - Frankfurt/M
FT 1101 Bar-le-Duc - Frankfurt/M (nun täglich)
FT 1124 Frankfurt/M - Metz
FT 1133 entfiel

Einmal mehr wird ersichtlich, dass sich das "blaue F-Zug-Netz" vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr ausdehnte. Mit der Verbindung Essen - Wien - Essen gab es sogar erstmals Kurswagen in diesem Netz.

 

Fortgesetzt wird der Blick ins ehemalige Fernschnellzug-Netz der DB mit dem Fahrplanjahr ab 1955.

Die Fernschnellzüge des internationalen Verkehr werden an dieser Stelle nicht weiter betrachtet. Insgesamt stellt sich dieses Netz etwas übersichtlicher dar. Zumal seine große Blütezeit bereits ab 1957 mit der Einführung des Trans Europ Express (TEE) langsam zu Ende ging. Bis ins Jahr 1969 konnten sich dennoch einige dieser Verbindungen halten.

Also bis in eine Zeit, zu der die Züge des Netz der leichten Fernschnellzüge zum baldigen Sprung ins System "IC '71" ansetzten.

 

 

 

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